Schloss von Loppem

Kasteel Loppem (c) Henk Rogiers (1)

Steenbrugsestraat 26, Zedelgem-Loppem

Lust auf eine Zeitreise, ohne zuerst eine Zeitmaschine erfinden zu müssen? Willkommen im Schloss von Loppem, dem einzigen Schloss in Belgien, dessen Fassade und Innenräume noch im Originalzustand erhalten sind. Die Gärten sind wunderschön, und im Schloss erwartet dich eine außergewöhnliche Kunstsammlung.

Schloss von Loppem

Baron Charles van Caloen baute das Schloss um 1860 und fügte dem damals beliebten neugotischen Stil eine flämische Note hinzu. Das Bauwerk war Schauplatz einer entscheidenden Episode in der Geschichte des Landes. Im Jahr 1918 hatte die belgische Armee hier ihr Hauptquartier, und es war die Residenz von König Albert I. und Königin Elisabeth.  

Die reiche Kunstsammlung wurde hauptsächlich von Baron Jean van Caloen (1884-1972) zusammengetragen. Dieser Enkel des Bauherrn Charles war ein eifriger Sammler mit einem breiten Spektrum an Interessen: von mittelalterlichen Skulpturen und flämischen Gemälden bis hin zu Steingut aus Raeren und dem Westerwald, malinesischem Alabaster, portugiesischem Elfenbein, illuminierten Manuskripten, Drucken und Zeichnungen.  

Auch die Gärten des Schlosses sind einen Besuch wert. Schlendere durch den englischen Landschaftspark oder verirre dich in dem grünen Labyrinth aus dem neunzehnten Jahrhundert. Apropos grün: Dort, wo heute das Schloss steht, befand sich früher ein Falscher Christusdorn. Der Architekt Jean-Baptiste Bethune verarbeitete das Holz dieses Baumes zu einem neugotischen Prunktisch, den du im Schloss bewundern kannst. Auf der Tischplatte: Chinesisches Porzellan und alte Manuskripte. 

Kasteel van Loppem Dronefoto (c) Westtoer (11)

Pieta, Beweinung Christi mit Wappen von Isabella von Bourbon

Unzählige Male haben Künstler die Beweinung Christi durch Maria dargestellt, aber selten auf diese Weise. Dieses Glasfenster ist nämlich vertikal aufgebaut, mit drei Feldern aus farblosem und farbigem Glas, ausgeführt in Grisaille und Silbergelb. Das bemerkenswerte Fragment stammt aus der Zeit zwischen 1460 und 1470 und wird – vorläufig und mit Vorbehalten – einem Brüsseler Schüler von Rogier van der Weyden zugeordnet: Vrancke van der Stockt. 

Piëta (c) Kasteel van Loppem - Stichting van Caloen

Glasfenster Jean-Baptiste Bethune

Im ersten Stock des Schlosses befindet sich die Hauskapelle der Familie van Caloen. Dieses Schmuckstück, das nicht weniger als zwei Stockwerke hoch ist, wurde vollständig von Jean-Baptiste Bethune, dem Pionier der neugotischen Architektur in unserem Land, entworfen. Auf den Glasfenstern kann man die Schutzheiligen der Familie erkennen. Schau mal nach oben! Dort ist die Empore für das Personal zu sehen. Noch weiter oben kannst du das hölzerne, blau gestrichene und mit religiösen Motiven verzierte Spitztonnengewölbe bewundern. 

Kasteel_van_Loppem-Stichting_Jean_van_Caloen_kapel_St._van_Caloen_001

Jan Borman I: Heiliger Georg

Was Rogier van der Weyden für die Malerei ist, ist Jan Borman für die brabantische Bildhauerei: das absolut Beste. Fachleute in aller Welt zählen sein Werk – und das seiner Söhne – zu den besten Werken der spätgotischen Bildhauerei.

Zu Recht, wie dieser Heilige Georg beweist. Die Skulptur des fast nackten, bartlosen jungen Mannes mit lockigem Haar ist bis ins Detail ausgearbeitet. Beachte das detailreiche Gesicht, den Strick, mit dem er gefesselt ist, die Falten im Lendenschurz und die deutlich sichtbaren Rippen.

Quizfrage: Warum ist dies definitiv keine Statue des Heiligen Sebastian? Antwort: weil es keine Wunden durch Bogenpfeile gibt. Der Heilige Georg wurde unter anderem mit eisernen Klammern gefoltert, bevor er enthauptet wurde. 

Jan Borman I Heilige Joris (c) Kasteel van Loppem - Stichting Jean van Caloen

Geburtsszene, Monogramm VB (Hans Verbeke De Jonghe?), Alabaster, Mechelen, 1610-1625

Alabaster ist ein weicher, durchscheinender Naturstein, der für seine Verwendung in der Bildhauerei bekannt ist. Das kann man in dieser kleinen Szene über die Geburt Christi sehen. Du siehst das Kind in der Krippe, flankiert von Maria und einem Engel. Josef beobachtet, wie Ochse und Esel Christus mit ihrem Atem wärmen. Du kannst auch einen Teil des Stalles sehen. Mehrere Akzente der Komposition sind vergoldet.

Und von wessen Hand ist dieses Meisterwerk? Dies ist an der Kartusche auf der Vorderseite zu erkennen, wo die gemalten Initialen „VB“ zu sehen sind. Dies könnte sich auf Hans Verbeke den Jüngeren beziehen. Dieser Cleynsteker-Meister hatte von 1610 bis 1625 eine Werkstatt mit mehreren Lehrlingen.

Lust auf mehr Alabaster? Im Schloss Gaasbeek kannst du eine große Sammlung bewundern. 

Geboortetafereel Monogram VB Albast (c) Kasteel van Loppem -Stichting Jean van Caloen

James Ensor – "Les colifichets" oderÉtoffes" – 1880

„Les Colifichets“ oder „Étoffes“ ist ein meisterhaftes Werk von Ensor. Der Künstler hat die Ölfarbe mit einem Malermesser auf den rosa Karton aufgetragen. Ein paar präzise gesetzte Farbtupfer in Weiß, Rosa, Braun, Hellblau und Gelb genügten, um das Thema treffend darzustellen. Der Maler hat dies oft um 1880 getan, weshalb das Werk in diese Zeit eingeordnet werden kann.

Unten rechts ist die Signatur Ensors zu sehen. Auf der Rückseite schrieb er mit blauem Bleistift den Namen des Kunden: „Mr. Fr(ançois). Franck / Rue Everdy 4(3) / Anvers“. Dieser Antwerpener Kunstsammler kaufte die Skizze 1920 zusammen mit acht anderen Werken von Ensor. 

James Ensor Les colifichers of Etoffes (c) Kasteel van Loppem Stichting Jean van Caloen

Gibt es sonst noch etwas in der Nähe des Schlosses zu erleben?

  • Das Labyrinth von Loppem wurde von Albert und Ernest van Caloen, den Söhnen des Schlossherrn, angelegt. Tickets und Öffnungszeiten findest du unter www.zedelgem.be/doolhof 

Praktische Informationen

Adresse

Steenbrugsestraat 26
8210 Zedelgem-Loppem
Belgien
Wegbeschreibung anzeigen

Öffnungszeiten

  • Mo-Sa, von 13 bis 17:30 Uhr.

Barrierefreiheit

  • Ist teilweise zugänglich.

Weitere Informationen

Gut zu wissen

  • Eintritt: 9,- € Standardtarif

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